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Mittwoch, 22.02.2012

Die Familie Geisler

"Überall lernt man nur von dem, den man liebt." (Johann Wolfgang von Goethe 1749 - 1832)

 

1906 erwarb Simon Geisler das Krimmler Tauernhaus. Mit dem Wechsel in den Besitz der Familie Geisler begann für die Achentaferne eine neue Ära, in der sie den Weg ins 21. Jahrhundert beschritt.

Simon Geisler

Krimmler Bürgermeister 1902 - 1912
Gründer (1910) und Aufsichtsratsvorsitzender der Raiffeisenbank Krimml 1911-1916
Nationalratsabgeordneter der Ersten Republik Österreich 1919 - 1931
Ehrenbürger sämtlicher Oberpinzgauer Gemeinden

Der gebürtige Gerloser erwarb das Krimmler Tauernhaus 1906 und baute es mit enormen Fleiß und viel Energie zu einem modernen alpinen Schutzhaus und Gasthaus aus. Ein zusätzliches Obergeschoß und ein sorgfältiger Umbau im Erdgeschoß, bei dem die 600 Jahre alte Stube in vorausschauender Weise unangetastet blieb, sorgte für mehr Platz und zeitgemäßen Komfort für die Gäste. Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges  errichtete Simon Geisler ein Kleinkraftwerk, mit dem das Tauernhaus mit Strom versorgt war. Eine Freileitung ermöglichte dem abgelegen wohnenden Nationalratsabgeordneten jederzeit, mit der Außenwelt telefonisch in Kontakt zu treten.

Friedl und Lisl Geisler

1931 übernahm Friedl, Sohn von Simon Geisler, die Bewirtschaftung des Krimmler Tauernhauses. Er heiratete 1932 Lisl, mit der er unter anderem die Neuerrichtung der Tauernhauskapelle verwirklichte. Die beiden waren auch Gastgeber beim traditionellen Tauernhauskirtag am Schutzengeltag, bei dem der Almsommer mit einer Schaflschoad und einem Ranggelturnier seinen Abschluss fand. Diesen alten Brauch tragen die heutigen Wirtsleute Friedl und Gundi Geisler mit dem Schutzengelranggeln weiter. Als Friedl Geisler 1939 bei einem Arbeitsunfall tödlich verunglückte, musste Lisl Geisler das Tauernhaus allein weiterführen, bis sie Jahre später den Skilehrer Rupert Scharfetter heiratete.
Sie kümmerte sich 1947 aufopfernd um die verfolgten Juden aus Osteuropa, die den NS-Vernichtungslagern entkommen waren und über Krimml den Fußweg nach Italien beschritten, um nach Palästina zu gelangen. Die erschöpften Erwachsenen und Kinder wurden von Lisl Geisler mit dem Nötigsten, einer warmen Stube und einer Mahlzeit, versorgt.

Adolf und Franziska Geisler

1961 übernahmen Adolf und Franziska Geisler die Bewirtschaftung des Krimmler Tauernhauses. Sie führten die Gastwirtschaft bis 1999 und modernisierten und verbesserten das Krimmler Tauernhaus stetig. In dieser Zeit wurde auch ein Fahrweg geschaffen, mit dem das Tauernhaus und die Almen des Krimmler Achentales besser erreicht werden konnten.  Als 1984 der Nationalpark Hohe Tauern errichtet wurde, betrieb die Familie Geisler den einzigen Bauernhof auf Nationalparkgebiet. Die damit verbundenen Auflagen und Beschränkungen nahmen sich Adolf und Franziska Geisler zu Herzen. Sie schufen mit viel Einfühlungsvermögen für die alte Bausubstanz und Rücksicht auf die Landschaft einen harmonischen Innenausbau und einen neuen Stall.

Drei Generationen der Familie Geisler an einem Tisch

Friedl und Gundi Geisler

Friedl Geisler
Obmann der Raiffeisenbank Krimml
Aufsichtsratsmitglied des Raiffeisenverbandes Salzburg
Obmann der Krimmler Tauernweg- und Alpweggenossenschaft

1999 übernahmen Friedl und Gundi Geisler das Krimmler Tauernhaus. Sie bewirtschaften die Gaststätte und die Landwirtschaft nunmehr in vierter Generation und führen das kulturelle Erbe des geschichtsträchtigen Hauses und der Familie Geisler mit Sorgfalt, Stolz und Würde weiter. Im Bewusstsein der Gradwanderung zwischen Modernisierung und Erhalt alten Kulturgutes und intakter Natur und Kulturlandschaft versuchen sie, alte Traditionen wie das "Schutzengelranggeln", die Jagd, die Landwirtschaft, die Jahrhunderte alte Aufgabe als Schutz- und Einkehrhaus zu bewahren und mit Leben zu erfüllen und notwendige Modernisierungen und Verbesserungen behutsam durchzuführen - damit das Krimmler Tauernhaus auch in Zukunft ein Schmuckstück im Krimmler Achental bleibt.